2. März 2020

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Glückliche Kinder wünschen sich alle Eltern. Was brauchen Kinder, um glücklich zu sein? Unter welchen Bedingungen entwickeln sie sich optimal, entfalten sie ihr Potenzial? Die Antwort ist verblüffend. Und macht deutlich, wie unsere Gesellschaft unwissentlich einer glücklichen Kindheit zuwiderhandelt.

Die drei Grundbedürfnisse von Kindern

Die psychologischen Grundbedürfnisse der Erwachsenen sind auch die Grundbedürfnisse der Kinder. Nur dass sich letztere anders äussern.

Gemäss den beiden US-amerikanischen Psychologen Edward Deci und Richard Ryan haben Menschen drei Grundbedürfnisse:

  • 1
    Das Bedürfnis nach Kompetenz. Menschen möchten auf ihre Umwelt Einfluss nehmen, etwas bewirken können.
  • 2
    Das Bedürfnis nach Autonomie. Menschen möchten das Gefühl haben, ihre Handlungen selbst bestimmen zu können.
  • 3
    Das Bedürfnis nach sozialer EingebundenheitMenschen möchten ein Teil der Gesellschaft, mit anderen Menschen verbunden sein.
Glückliche Kinder – der goldene Schlüssel

Wenn du Babys und Kleinkinder beobachtest, wirst du immer und immer erkennen, wie sie versuchen, diese Grundbedürfnisse zu befriedigen. Sie schauen, was sie alles mit dem Teddybär machen können. Können sie ihn heben? Schieben? Vielleicht gar werfen? Sie folgen ihrem inneren Entwicklungsplan. Vielleicht interessieren sie sich überhaupt nicht für die Puppe oder die Experimentierkiste, die die Eltern liebevoll ausgesucht haben. Nur sie kennen ihren individuellen Entwicklungsplan, nur sie spüren, was ihrem Innersten entspringt und versuchen Störeinflüsse so gut als möglich zu ignorieren.

Obige Beispiele verdeutlichen die Grundbedürfnisse nach Kompetenz und Autonomie. Das Bedürfnis nach sozialer Eingebundenheit äussert sich etwa, wenn das Baby oder Kleinkind sich zwischendurch immer wieder vergewissert, ob die Mama da ist und zuschaut.

Bei älteren Kindern kann das Streben nach den Grundbedürfnissen bereits weniger deutlich zu beobachten sein. Nämlich dann, wenn sie resigniert haben. Wenn sie merken, dass sich die Bedürfnisse nicht befriedigen lassen. Dann klammern sie sich an Ersatzbefriedigungen. Statt emotionale Wärme streben sie vielleicht nach Belohnungen. Das Bedürfnis nach Kompetenz leben sie in Computerspielen aus. Und die fehlenden Möglichkeiten der Selbstbestimmung artet nicht allzu selten in einem Suchtverhalten aus.

Das Zauberwort heisst Spielen!

Was tun Kinder, wenn wir Erwachsenen sie lassen? Sie spielen. Warum? Spielen ist der Grundmodus des Menschen. Spielen befriedigt sicher die ersten beiden Grundbedürfnisse. Das dritte Grundbedürfnis ist Voraussetzung fürs Spielen, äussert sich aber auch im Wunsch, mit anderen zu spielen.

Das freie Spiel entspringt immer dem Innersten der Kinder. Spiele sind individuelle, selbstbestimmte Herausforderungen. Nur das Kind alleine weiss, durch was es sich herausgefordert fühlt. Jede Herausforderung entspricht genau seinen Fähigkeiten. Mit jeder Herausforderung lernt das Kind hinzu, entwickelt es sich weiter. 

Von Geburt an tragen Kinder alles in sich, was sie zum Lernen brauchen. Sie sind neugierig. Sie sind verspielt. Und sie sind gesellig. Dank der Neugierde interessieren sie sich für Neues. Dank der Verspieltheit beschäftigen sie sich damit. Und dann der Geselligkeit kommen sie einerseits mit Neuem in Kontakt, geben andererseits ihre Entdeckungen und Erfahrungen anderen weiter und können so selbst Inspirationsquelle sein.

Glückliche Kinder: Voraussetzungen & notwendige Ressourcen

Voraussetzungen für eine gesunde Entwicklung und was Kinder brauchen, um sie entfalten zu können

7 Dinge, die dein Kind braucht zum Glücklichsein

Was braucht dein Kind für eine optimale Entwicklung und damit für eine glückliche Kindheit? Was kannst du als Vater oder Mutter tun? Ich habe die meiner Meinung nach wichtigsten sieben Punkte zusammengetragen.

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1. Liebe, Wärme, Geborgenheit und Sicherheit geben

Glückliche Kinder – wie Erwachsene auch – gedeihen am besten in einem Umfeld, in dem sie sich sicher und geborgen fühlen. Sie wollen spüren, dass alles in Ordnung ist. Dass sie geliebt werden. Und:

2. Kinder so akzeptieren, wie sie sind

Das klingt einfach, kann aber unglaublich schwierig sein. Erwachsene haben vielfach Erwartungen an Kinder, die sowohl den gesellschaftlichen Normen als auch eigenen Bedürfnissen entspringen. Kinder sollen nicht streiten, leise sein, brav miteinander teilen, keine Wutanfälle haben, abends artig die Zähne putzen und zu Bett gehen, gute Schulnoten nach Hause bringen und vieles mehr. Kinder entsprechen aber vielfach nicht allen Erwartungen.

Kinder wollen so akzeptiert, ja, geliebt sein wie sie sind. In ihrer ganzen Einzigartigkeit.

3. Kinder ihren eigenen Weg gehen lassen

Auch dieser Punkt hat viel mit Erwartungen zu tun. Eltern wollen in der Regel stets das Beste für ihre Kinder. Unter diesem Motto projizieren sie allerlei auf die Kinder. Oftmals das, was sie selbst nicht hatten und sich immer gewünscht haben. Oder das, was sie erreicht haben und die Kinder nun auch schaffen sollen. Doch wollen die Kinder das auch?

Nur die Kinder spüren ihren inneren Kompass – wenn dieser nicht schon ganz verschüttet ist. Nur sie wissen, wohin es sie zieht. Und vielleicht ist der Weg ganz anders, als sich die Erwachsenen vorstellen. Doch es ist der Weg, auf dem sie sich optimal entfalten können. Wir Erwachsenen sollten ihn achten.

4. Kinder ernst nehmen

Gerade Spielen ist für Kinder unheimlich wichtig, sie nehmen das total ernst. Das birgt Spannungspotenzial. Beim Spielen ist der Prozess wichtiger als das Ergebnis. Für Aussenstehende ist der Sinn des Spiels oft nicht ersichtlich. Der Sinn ergibt sich nur für die Spielenden selbst. Trotzdem sollten Erwachsene das Spiel der Kinder genauso ernst nehmen, wie ihre eigene Arbeit. Denn das Spiel spiegelt den Wesenskern des Kindes. Nehmen Erwachsene das Spiel des Kindes nicht ernst, nehmen sie das Kind nicht ernst.

5. Selber entdecken lassen

Bereitet es dir Spass, einen Film zu schauen, wenn eine Freundin oder ein Freund dir vorgängig die zentralen Wendungen verraten hat? Wohl kaum. Genauso wollen auch Kinder die Welt selbst entdecken, dies entspringt den Bedürfnissen nach Kompetenz und Autonomie. Behalten wir also besser unser Ego im Zaum. Wir müssen nicht beweisen, dass wir etwas bereits wissen, kennen oder können. Sonst nehmen wir dem Kind die Gelegenheit des Selberentdeckens. Und damit die Gelegenheit, ein gesundes Selbstvertrauen zu entwickeln.

6. Inspirationsquellen anbieten

Wir haben gesehen, dass Kinder alles fürs Lernen und um sich zu entwickeln in sich tragen. Alles ausser Inspiration. Hört ein Kind niemals jemanden sprechen, wird es nicht sprechen lernen. Steht nirgends ein Buch, wird es nicht lesen lernen. Gibt es nichts zu spielen, wird es aufhören zu spielen, sobald es seine Hände und Füsse ausgiebig erkundet hat.

Da wir nicht wissen, mit welchen Interessen und welchen Talenten das Kind geboren wurde, heisst das: Ihm möglichst ein breites Spektrum an Inspirationsmöglichkeiten bereitstellen: Naturmaterialien, Werkzeuge, Bücher, Klötze. Vor allem aber: Menschen. Menschen unterschiedlichen Alters, die unterschiedliche Dinge tun und sich unterschiedlich verhalten.

7. Ressourcen bereitstellen

Kinder sollten nicht sich selbst überlassen werden. Vielmehr gilt es für Erwachsene, genau hin zu schauen. Was interessiert die Kinder? Womit können sie sich so vertiefen, dass sie alles um sich herum vergessen? Da können wir einhaken.

Entdeckt ein Kind dank einer Inspiration das Zeichnen, legen wir ihm Blätter und Stifte hin. Interessiert es sich fürs Bauen, kann es sich entfalten, wenn es Klötze hat. Oder Dosen. Oder Schachteln. Hat es einen starken Bewegungsdrang, organisieren wir ein Trampolin oder Spannen ein Seil, an dem es turnen kann.

Das muss nicht teuer sein. Wichtig ist einzig, dass wir dem Kind das Umfeld bieten, das es braucht, um sich entfalten zu können.

Glückliche Kinder – diese 7 Dinge sollten Eltern tun

Fazit für Eltern die glückliche Kinder möchten

Das Geheimnis für glückliche Kinder ist so simpel wie uralt: Lass deine Kinder spielen. Spielen ist der Grundmodus des Menschen. Spielen ist optimal für eine gesunde Entwicklung. Und: Spielen ist Lernen. 

Es gilt der Grundsatz: Glückliche Kinder spielen, spielende Kinder sind glücklich.

Was sind deiner Erfahrung nach wichtige Voraussetzungen für glückliche Kinder?

Über den Autor

Nando Stöcklin

studierte Ethnologie und doktorierte in Pädagogik. Beruflich beschäftigte er sich als Forschungsmitarbeiter mit den Auswirkungen der digitalen Transformation auf das Bildungswesen und als Folge mit Spielen. Seither versucht er die Vorzüge vom Spiel konsequent für ein selbstbestimmtes, erfülltes Leben zu nutzen und die unnötigen Kluften zwischen Spielen, Arbeiten und Lernen zu überwinden. Seine Kinder sind ihm grosse Vorbilder und weisen ihm den Weg.

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Brief an alle Menschen, die Inspiration & Erfahrung zum rundbunten Leben im neuen Zeitalter wünschen

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