16. Dezember 2022

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Jeder Mensch ist einzigartig, woraus sich ebenso einzigartige Projekte entwickeln können. Wer seinem Herzen folgt, muss deshalb keine Konkurrenz fürchten. Aber was, wenn andere dich als Konkurrenz bekämpfen?

Zwei Wege, durchs Leben zu gehen

Es lassen sich vier Motivationsarten unterscheiden: Wir können etwas tun, um belohnt (oder nicht bestraft) zu werden, um im Status zu steigen, weil es uns sinnvoll erscheint oder weil wir einen inneren Drang dazu verspüren.[1]

Belohnung

Status

Sinn

Spass

Der Angst folgen

Die ersten drei – in der Fachsprache extrinsischen – Motivationsarten Belohnung/Bestrafung, Status und Sinn sind verstand-orientiert. Und nicht nur das: sie sind auch angst-basiert. Wer etwa arbeitet, um Geld zu verdienen, hat Existenzangst. Wer im Status steigen möchte, hat Angst, nicht gemocht zu werden und meint, sich so beweisen zu müssen. Wem es sinnvoll erscheint, für das Klima auf die Strasse zu gehen, tut dies aus Angst, die Welt könnte vor die Hunde gehen.

All das muss nicht schlecht sein, aber die Energie rührt von der Angst her und die Massnahme vom Verstand.

Der Liebe folgen

Die letzte – intrinsische – Motivationsart ist, etwas aus Freude oder einem inneren Antrieb heraus zu tun. Vom Verstand her lässt sich das nicht zwingend begründen. Beispielsweise wollte ich unbedingt das Buch "Spiel dein Leben – über die Leichtigkeit des Lebens" schreiben zu einem Zeitpunkt, als ich kaum Geld beiseite hatte. Vom Verstand her gedacht, hätte ich die Zeit besser in eine Aktivität gesteckt, mit der sich Geld verdienen liess.

Wer Herausforderungen aus einem inneren Drang heraus anpackt, spielt. Und wer spielt, will nicht etwas vermeiden. Spielende folgen ihrem inneren Kompass und somit der Liebe. Sie lieben zu tun, was sie tun.

Unterschiedliche Träume und Ziele

Egal für welchen Weg wir uns entscheiden – die industriell geprägte Welt liess uns typischerweise der Angst folgen – wir entwickeln Träume und Ziele.

Folgen wir der Angst, entwickeln wir Träume wie ein schickes Auto, die nächste Sprosse auf der Karriereleiter erklimmen oder die bedeutungsvollste Person in einem bestimmten Umfeld zu sein. Oft führt das zu einem Konkurrenzdenken.

Folgen wir unserem Herzen, ergeben sich ebenfalls Träume und Ziele. Daraus können ähnliche Projekte entstehen, wie jene, die aus der Angst heraus geboren wurden. Aber wie das Projekt umgesetzt wird, unterscheidet sich zuweilen erheblich. Die einen spielen, die andere arbeiten.

Wer dem Herzen folgt, hat keine Konkurrenz

Dem Herzen zu folgen bedeutet, die persönlichen Veranlagungen, Talente und jene Träume und Faszinationen zu leben, die dem inneren Kompass entsprungen sind. Konkurrenz gibt es nicht. Weshalb? Wer spielt, ist auf das eigene Spiel, die eigenen Faszinationen, die eigenen Herausforderungen konzentriert. Spielende folgen ihrem inneren Drang. Was andere tun, ist irrelevant.

Niemand auf der Welt schöpft aus derselben Veranlagung, weil jeder Mensch einzigartig ist. Deshalb wird auch niemand das, was du tust, genauso tun.

Was, wenn andere dich als Konkurrenz betrachten?

Doch viele Menschen leben im Aussen und sind nicht auf ihr Spiel konzentriert. Sie haben Angst, sind neidisch oder ihr Ego drängt sie dazu, herausragen zu wollen. Sie folgen dem Verstand und nicht dem Herzen, vergleichen sich ständig mit anderen und geben alles, um erfolgreicher als andere zu sein. Das Vergleichen zieht das Konkurrenzdenken im Schlepptau hinter sich her. Aus ihrem Blickwinkel sind andere, die ähnliche Projekte, Initiativen oder Unternehmen gestartet haben, unweigerlich Konkurrenten.

Das kann sie dazu verleiten, gegen dich vorzugehen. Vielleicht machen sie dich schlecht bei anderen, sie versuchen dich von Anlässen auszusperren, an denen du dein Projekt vorstellen kannst oder sie verweigern zumindest jeglichen Austausch und jegliche Kooperation.

Wie kannst du auf Konkurrenzverhalten reagieren?

Zuerst lohnt es sich, zu vergegenwärtigen, dass du nichts falsch gemacht hast. Du bist einzig deinem Herzen gefolgt.

Aber was nun? Je nach Situation kannst du das Gespräch suchen und sie verstehen lassen, wie du dich fühlst und dass du kein Interesse an einer Konkurrenzsituation hast, sondern einfach dein Herzensprojekt umsetzen möchtest.

Wenn das nicht möglich oder nicht erfolgreich ist, ist eines ganz wichtig: Bleibe bei dir! Kopiere auf keinen Fall ihr Verhalten. Konzentriere dich auf dein Herzensprojekt.

Beginnst du dich auf diejenigen zu fokussieren, die dich bekämpfen, verlierst du den Bezug zu deinem Projekt. Aus dem Herzensprojekt wird ein Verstandesprojekt. Damit nimmst du Energie aus deinem Projekt. Die Sogwirkung wird geringer und somit musst du – wenn es sich um ein kommerzielles Projekt handelt – mehr Überzeugungsarbeit leisten bei potenziellen Kund:innen.

Weshalb sich diejenigen, die dich bekämpfen, selbst schaden

Diejenigen, die dich bekämpfen, sind auf dich fokussiert. Vielleicht versuchen sie dich gar zu kopieren – ohne aber deine Einzigartigkeit zu haben. Dein Projekt passt zu dir, nicht zu ihnen. Sie entfernen sich von ihrer eigenen Einzigartigkeit und verpassen es, ein Projekt zu haben, das auf ihre Talente und Fähigkeiten zugeschnitten ist. Vielleicht war ihr Projekt auch mal ein Herzensprojekt, mittlerweile ist es zu einem Verstandesprojekt degradiert.

Die besondere Magie des Spiels

Beim Spielen entsteht eine ganz besondere Magie. Wie ist das möglich? 9 Regler werden beim Spielen in eine optimale Position geschoben: jeweils exakt in die Mitte.

Magie-Mischpult

Magiemischpult: 9 Regler müssen in Balance sein, damit die besondere Magie des Spiels entsteht.

Wer andere als Konkurrenz bekämpft, verschiebt bei sich die Regler. Er oder konzentriert sich nicht mehr auf das eigene Herzensprojekt, sondern auf die vermeintlichen Konkurrenten. Sie tun nicht mehr, was sie tun wollen. Die Leichtigkeit geht verloren, aus dem Spiel wird Ernst. Sie streben nach Kontrolle, das Vertrauen rückt in den Hintergrund. Und so weiter. Das Ergebnis: Die Magie ist aus dem Spiel weg, die Aktivität fühlt sich nicht mehr spielerisch an.

Verlorene Sogwirkung

Viel von ihrer Energie ging verloren, die Konkurrenzdenkenden haben immer weniger Freude an ihrem Projekt. Ihre Initiative entfaltet keinen Sog mehr. Sie müssen vermehrt Werbung betreiben oder durch manipulatives Marketing den mangelnden Sog ausgleichen.

Sie verschwenden ihre Energie auf negative Gefühle und darauf, andere zu bekämpfen und kontrollieren. Das macht sie unzufrieden und unglücklich. Diese Unzufriedenheit wiederum kann sie dazu treiben, dich noch vehementer zu bekämpfen und so Dampf abzulassen – vor allem, wenn du auf dich konzentriert bleibst und dein Projekt nach wie vor eine natürliche Sogwirkung hat. Ein Teufelskreis entsteht.

Du brauchst keine Angst zu haben

Wir haben es gesehen: Der Angst zu folgen, führt dich in ungute Gefühle und in eine ungute Konkurrenzhaltung. Folgst du weiterhin der Liebe, brauchst du keine Angst zu haben. Die anderen schaden sich selbst.

Klar, es kann sein, dass sie durch verstärkte Werbung, Manipulation, Intrigen und ähnliches ihr Ziel erreichen und deinem Herzensprojekt zumindest kurzfristig schaden. Vielleicht können sie es gar ganz vernichten.

Egal was passiert, es ist genau richtig so. Denn Krisen stehen oft am Anfang von etwas Neuem – vielleicht einer noch besseren Idee.

Hast du Erfahrungen gemacht, mit Menschen, die dich als Konkurrenz behandelt haben, ohne dass du das wolltest? Wie bist du damit umgegangen? Ich freue mich über deinen Kommentar.

Quellen

[1] Abgeleitet von der Selbstbestimmungstheorie von Edward Deci und Richard Ryan.

Über den Autor

Nando Stöcklin

studierte Ethnologie und promovierte in Pädagogik. Beruflich beschäftigte er sich als Forschungsmitarbeiter mit den Auswirkungen der digitalen Transformation und mit Spielen. Er ist überzeugt, dass ein natürliches, gesundes Leben sich genauso magisch anfühlt wie Spielen. Mithilfe des von ihm entwickelten Magie-Mischpults hilft er als Magie-Doktor Menschen zurück in das natürliche Spiel des Lebens.

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