Episodenzusammenfassung
Was haben Wiesen und Kinder gemeinsam? Permakultur als Spiegel fürs spielende Lernen
In der ersten Episode von Randzonen-Geflüster trifft Permakultur auf spielendes Lernen — und dabei entsteht genau das, worum es im Podcast geht: eine lebendige Randzone zwischen zwei Welten.
Das Randzonenprinzip der Permakultur
Denis erklärt, was Randzonen in der Permakultur bedeuten: Dort, wo zwei verschiedene Ökosysteme aufeinandertreffen — etwa eine Wiese und ein Wald — entsteht die grösste Vielfalt. Die Wiese bringt Wärme und Licht, der Wald Feuchtigkeit und Schatten. An der Grenze beider Welten bilden sich Mikroklimas, siedeln sich unterschiedlichste Pflanzen an, entsteht mehr Leben als in jedem der beiden Bereiche allein. Wer ein Permakultursystem gestaltet, optimiert diese Randzonen bewusst — zum Beispiel, indem er Steinmauern in Kurven statt geraden Linien baut, um mehr Randzonenfläche zu schaffen.
Vom Garten zum Menschen
Was in der Natur für Pflanzen gilt, lässt sich auf Menschen übertragen. Denis zieht die Parallele zur eigenen Biografie: Elektrotechnik und Permakultur — zwei Welten, die sich auf den ersten Blick ausschliessen, aber überraschend viele gemeinsame Prinzipien haben. Beide arbeiten mit sorgfältiger Beobachtung statt Kontrolle. Beide fragen: Was braucht dieses System, damit es von innen heraus aufblühen kann?
Beobachten als Kernkompetenz
Ein zentrales Thema des Gesprächs ist das Beobachten — in der Permakultur genauso wie in der Lernbegleitung. Nando beschreibt, wie entscheidend es ist, Kinder beim Spielen wirklich wahrzunehmen: Sind sie wirklich im Spielfluss? Was läuft gerade in ihnen? Denis ergänzt: Auch Zeigerpflanzen in der Permakultur zeigen uns den Zustand des Bodens — ohne dass wir eingreifen müssen. Menschen «zeigen» ähnlich, wenn wir aufmerksam genug hinschauen.
Die Baumgilde als Modell für Lerngruppen
Denis stellt das Permakultur-Konzept der Baumgilde vor: Ein junger Obstbaum wird von Beipflanzungen umgeben, die ihn auf verschiedene Weisen unterstützen — Boden lockern, Nährstoffe einbringen, Schädlinge in Schach halten. Übertragen auf spielendes Lernen: Welche «Beipflanzungen» braucht ein Kind, damit es sich entfalten kann? Andere Kinder, Materialien, Räume, Freiheit — und die richtige Kombination davon.
Bindung · Freiheit · Weltkontakt
Nando bringt das Entfaltungsdreieck von 'Spiel dein Leben' ins Gespräch: Bindung, Freiheit und Weltkontakt müssen im Gleichgewicht sein, damit echte Entfaltung möglich wird. Denis erkennt darin die Logik der Permakulturelemente — Elemente, die sich gegenseitig positiv beeinflussen und nur im Zusammenspiel ihr volles Potenzial entfalten.
Was ist die «Ernte»?
Am Ende stellen sich die beiden die vielleicht wichtigste Frage: Was ist eigentlich der Nutzen, wenn wir Menschen begleiten? In der Permakultur ist die Ernte konkret — eine Frucht, ein Lebensraum. In der Begleitung von Kindern und Erwachsenen ist sie subtiler: ein Mensch, der bei sich ist, der das lebt, was aus ihm gelebt werden will. Und das, so Denis und Nando, ist letztlich auch ein Geschenk an die ganze Gesellschaft.
Gäste-Kurzbiografie
Denis De Mesmaeker ist Elektrotechniker und arbeitet seit Jahren im Bereich Software — aufgewachsen in der Schweiz, mit belgischen Wurzeln. Nach einem Studium an der ETH Zürich arbeitete er jahrelang in der Technologiebranche. Seinen Weg zur Permakultur fand er auf Umwegen: über einen kleinen Balkon, den er mehr als nur bepflanzen wollte, und einen Freund, der zur richtigen Zeit den richtigen Impuls gab.
Heute absolviert Denis eine Permakultur-Ausbildung, bewirtschaftet gemeinsam mit anderen einen Gemeinschaftsgarten nach Permakultur-Grundsätzen und plant konkrete Projekte — darunter die Gestaltung einer Olivenplantage in Sizilien. Er ist seit mehreren Jahren Teil der Spiel-dein-Leben-Community und kennt damit beide Welten, die in diesem Podcast aufeinandertreffen.


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