5. Juni 2021

Min. Lesezeit

Wie finde ich den richtigen Beruf ist eine Frage, die sich viele junge Menschen stellen. Das 21. Jahrhundert bietet neue Möglichkeiten der Berufswahl. Neu können junge Menschen nicht nur aus einer grossen Palette an Berufen wählen; sie können sich ihren eigenen Job designen. Einen Job, der prima zur jeweiligen Persönlichkeit passt.

Story: Der Hund im Unkraut

Zuerst habe ich eine kurze Geschichte für dich:

Zwei Ereignisse kurz hintereinander wirbelten Inges Leben durcheinander. Zuerst betrog ihr Partner sie und kurz darauf verlor sie ihre Arbeitsstelle. Inge trennte sich von ihrem Partner und zog schweren Herzens mit Wuschi, ihrem jungen Hund, zu ihrem Vater, der nach dem Tod seiner Frau noch mürrischer geworden war.

Inges Vater bewohnte ein Haus auf einem grossen Grundstück mit Apfel- und Birnbäumen, einem grossen Teich, schönen Blumenrabatten, Büschen und Ziersträuchen. Alles war perfekt: Das Gras kurz geschnitten, die Büsche gestutzt, das Blumenbeet gejätet. Inges Vater mochte keine Unordnung.

Nur eine Ecke war verwildert. Das war der Gemüsegarten seiner Frau. Nach ihrem Tod hatte Inges Vater keinen Fuss in den Gemüsegarten gesetzt.

Missmutig umzäunte Inges Vater den Gemüsegarten. Er mochte keine Hunde; die kackten überall hin und brachten alles durcheinander. Wuschi wurde in den alten Gemüsegarten verbannt.

Wuschi gefiel es dort. Er mochte es, zwischen dem hohen Unkraut umherzulaufen. Doch bald kannte er sein neues Revier und schaute sehnsüchtig nach drüben, wo die Freiheit wartete, das Wasser des Teichs lustig glitzerte und die Bäume zum Pinkeln einluden. Emsig begann er beim Zaun ein Loch zu buddeln. Nach einiger Zeit hatte er es geschafft. Er schlüpfte unter dem Zaun durch und tobte auf dem Grundstück von Inges Vater herum. Er trank am Teich, schnüffelte in der Blumenrabatte, markierte am Apfelbaum.

Doch die Freude währte nicht lange. Schon bald eilte Inges Vater wutentbrannt auf ihn zu und prügelte mit einem Besenstil auf ihn ein. Schnell floh Wuschi zurück in den kleinen, alten Gemüsegarten. Verzweifelt musste er mit ansehen, wie Inges Vater das schöne Loch unter dem Zaun auffüllte.

In den kommenden Wochen startete Wuschi einige weitere Versuche, grub sich ein Loch hinüber ins Paradies. Doch jedes Mal dauerte es nicht lange, bis Inges Vater erschien, mit dem Besen auf ihn eindrosch und mit Füssen nach ihm trat.

Schliesslich hatte Wuschi kapituliert. Er lag im Unkraut und blickte oft traurig hinüber auf das grosse Grundstück.

Dann starb Inges Vater. Sofort entfernte Inge den Zaun um den alten Gemüsegarten. Doch so sehr Inge Wuschi ermutigte, an der Grenze des Gemüsgartens zog Wuschi den Schwanz ein, winselte, trottete traurig zurück und legte sich ins Unkraut.

Pin: Wie finde ich den richtigen Beruf im neuen Zeitalter?

Das unsichtbare Neue

Manchmal erscheinen neue Möglichkeiten, ohne dass man sie bewusst wahrnimmt. Genauso wie Wuschi sich nun das Grundstück zu eigen machen kann, stehen jungen Menschen heute viel mehr berufliche Möglichkeiten offen, als sie es wahrnehmen. Sie begnügen sich weiterhin mit dem Unkrautfeld und sehen nicht, dass ihnen die Welt offen steht.

So hast du deinen Beruf in der alten Welt gefunden

In der industrialisierten Gesellschaft sah die Berufswahl unterschiedlich aus. Frithjof Bergmann, der kürzlich verstorbene Philosophie-Professor und Begründer der New-Work-Bewegung, hatte Menschen befragt, wie sie sich für ihren Beruf oder ihren Job entschieden hatten. Rund 70 Prozent der Befragten gaben an, sie hätten keine bewusste Wahl getroffen. Stattdessen haben sie sich für einen Beruf entschieden, weil ein Freund oder eine Freundin dieselbe Lehre machte, weil eine Bekannte gerade eine Lehrstelle offen hatte, weil der Vater denselben Beruf ausübte oder ähnlich.[1]

Andere wählten einen Beruf bewusster. Dann sah die Berufswahl ungefähr wie folgt aus:

1

Junge Menschen analysierten ihre Stärken und machten vielleicht noch einen Persönlichkeitstest. 

2

Es werden ihnen Berufe vorgeschlagen, die zu ihrem Bildungsniveau und ihren Stärken passen.

3

Sie grenzen die Auswahl ein, konzentrieren sich auf ein, zwei Berufe.

4

Sie testen die Berufe durch Schnupperwochen.

5

Sie entscheiden sich für einen Beruf, bewerben sich für entsprechende Lehrstellen oder schreiben sich für notwendige weiterführende Bildungsangebote ein.

Nachteile dieses Weges

Dieser Weg hat drei Nachteile:

Erstens passt der Beruf vielfach nur bedingt. Er fühlt sich selten erfüllend an. Entsprechend benötigst du Ersatzbefriedigungen, um dir die innere Leere zu stopfen.

Zweitens führt das meistens zu einem Angestelltenverhältnis. Das gibt dir äussere Sicherheit in Form eines festen Gehaltes, das du Ende Monat als Belohnung für die Leistung erhältst. Es erschwert aber deine Autonomie. Du wirst Kompromisse mit deinen innersten Wünschen, vielleicht auch deinen Werten machen müssen. Und das wiederum lässt die innere Leere sich ausweiten.

Und zum Dritten sind solche Berufe oft unflexibel. Mit grosser Wahrscheinlichkeit fühlt sich die Tätigkeit nach einigen Jahren nicht mehr so prickelnd an. Ein Jobwechsel kann hier kurzfristig wieder etwas Spannung bringen. Trotzdem schleicht sich meist mit der Zeit Routine ein, was dein Wohlbefinden reduziert. Nun kannst du dich weiterbilden oder beruflich neu orientieren, aber all das ist recht starr.

Wie wärs, wenn du deinen Beruf jederzeit so wandeln kannst, dass er mit deiner Persönlichkeitsentwicklung stetig mithält? Wie ein Spiel, das sich ständig der Situation anpasst? Genau das ist im neuen Zeitalter möglich. Das Geheimnis? Denke in Projekten, nicht in Berufen.

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Neue Möglichkeiten im neuen Zeitalter

Mit Computer und Internet ändern sich verschiedenste gesellschaftliche Elemente grundlegend. Zwei Veränderungen sind an dieser Stelle zentral.

Individualität statt Normierung

Die industrialisierte Gesellschaft war normierend. Menschen erhielten eine normierte Ausbildung, damit sie normierte Berufe wählen, normierte Jobs ausüben und letztlich normierte Produkte herstellen konnten.

Es stand eine zunehmend steigende, aber begrenzte Anzahl Berufe zur Verfügung. Junge Menschen entschieden sich in aller Regel für einen dieser Berufe und sie wurden für ein Leben als Arbeitnehmende vorbereitet.

Im neuen – digital geprägten – Zeitalter spielt die Normierung eine untergeordnete Rolle. Normierte Abläufe können Algorithmen beigebracht werden. Menschen üben jene Tätigkeiten aus, die der Computer nicht kann. Die Stärke des Menschen liegt da, wo die Stärke der Computer aufhört: Bei der Menschlichkeit. Die Menschlichkeit wird gespiesen durch die Einzigartigkeit. Sie zeichnet sich aus durch Empathie und Kreativität. Im Vorteil ist, wer sich selbst kennt und weiss, was ihn oder sie so ganz besonders macht; wer gemeinsam mit Menschen, die ergänzende Fähigkeiten und Erfahrungen haben, kreativ anstehende Probleme lösen kann.

Interregional statt Regional

Jeder Mensch ist einzigartig. Wir alle haben eine bestimmte Veranlagung, können bestimmte Dinge besonders gut und machen entsprechend ganz persönliche Erfahrungen, die uns wiederum helfen können, künftig ähnliche Situationen zu meistern. Wir alle können somit ganz andere Probleme lösen.

Die industrialisierte Gesellschaft war eine regionale Gesellschaft. Es war für die einzelnen Menschen schwierig, sich über die Region hinaus bekannt zu machen. Somit konnten Menschen Probleme lösen von Menschen, die in der Region wohnten. Andere erfuhren gar nicht von den besonderen Gaben dieser Menschen. Somit ist die potenzielle Kundschaft durch die Region eingeschränkt. Je nachdem war sie ausreichend, um davon leben zu können, vielfach aber nicht. Deshalb liessen die allermeisten Menschen sich anstellen und es war sinnvoll, sich für einen der Norm-Berufe zu entscheiden.

Dank dem Internet wird die Welt zum Dorf. Beispielsweise kann ich diesen Blog-Beitrag schreiben über ein Problem, das viele junge Menschen haben: Die Berufswahl. Einige dieser Menschen, die das Problem haben, suchen in einer Suchmaschine danach und stossen vielleicht auf diesen Blog-Artikel. So können Menschen von meiner Arbeit erfahren, egal wo sie wohnen. Das wiederum lässt die potenzielle Kundschaft explodieren.

Der richtige Beruf schmiegt sich an dich wie ein Massanzug

Somit fällt der Gartenzaun und wir können uns auf einer viel grösseren Wiese austoben als zuvor. Es gibt nicht einfach eine Auswahl an Berufen, wovon dann aufgrund des Bildungsweges womöglich nur eine Handvoll überhaupt infrage kommen.

Gerne verdeutliche ich das jeweils am Beispiel von Farben. Bislang stand uns eine fixe Farbpalette zur Verfügung, die die Berufspalette symbolisiert. Vielleicht Gelb, Blau, Rot und Grün. Ist deine Persönlichkeit beispielsweise ein Blau-Violett, wähltest du im besten Fall Blau als Beruf. Das fühlte sich nicht ganz falsch an, aber auch nicht ganz stimmig.

Heute kannst du dir einen Job designen, der genau zu deiner blau-violetten Persönlichkeit passt. Du brauchst nicht mehr einen Teil von dir abzustreifen, sondern kannst all deine Facetten leben. Je besser die Tätigkeit zu dir passt, desto erfüllter und glücklicher fühlt sich dein Leben an.

Pin: 6 Schritte hin zu zum erfüllenden Beruf

So findest du den richtigen Beruf im neuen Zeitalter

Du kannst dir im neuen Zeitalter weiterhin einen Beruf "finden", der zu dir passt. Du hast aber zusätzlich die Möglichkeit, dir deinen eigenen Beruf zu erfinden. Du kannst Aufwachmediziner werden oder Spieltriebförderer oder Reisebegleiter zum natürlichen Spiel des Lebens oder Tier-Betreuerin-für-Auswandernde oder was immer du dir erträumst.

Dir stehen also unendlich viele Möglichkeiten offen. Zusätzlich bist du frei, deinen Beruf jederzeit zu wechseln, kannst dir jederzeit einen neuen Beruf erfinden.

Das also ist das Rezept für den passenden Beruf im neuen Zeitalter:

1

Verschaffe dir Klarheit über deine Einzigartigkeit. Im Artikel "Wer bin ich" habe ich sieben Methoden vorgestellt, wie du zu mehr Klarheit kommst.

2

Leite Tätigkeiten ab, die deiner Einzigartigkeit entsprechen.

3

Entscheide dich für jene Tätigkeit, die dein Herz am höchsten schlagen lässt. 

4

Überlege dir, wer daran interessiert sein könnte, dass du diese Tätigkeit ausübst.

5

Überlege dir, was du brauchst, um diese Tätigkeit ausüben zu können. Eine Ausbildung? Eine Lehre? Erfahrung?

6

Mache dich auf den Weg!

Möchtest du auf diesem Weg begleitet werden? Nimm gerne mit mir Kontakt auf.

Quellen

[1] Frithjof Bergmann: Neue Arbeit, neue Kultur. Arbor Verlag, 2017

Über den Autor

Nando Stöcklin

studierte Ethnologie und doktorierte in Pädagogik. Beruflich beschäftigte er sich als Forschungsmitarbeiter mit den Auswirkungen der digitalen Transformation auf das Bildungswesen und als Folge mit Spielen. Seither versucht er die Vorzüge vom Spiel konsequent für ein selbstbestimmtes, erfülltes Leben zu nutzen und die unnötigen Kluften zwischen Spielen, Arbeiten und Lernen zu überwinden. Seine Kinder sind ihm grosse Vorbilder und weisen ihm den Weg.

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Brief an alle Menschen, die Inspiration & Erfahrung zum rundbunten Leben im neuen Zeitalter wünschen

Ich habe gehört, du seist ein ganz besonderer Mensch. Hier habe ich einen ganz besonderen Brief für dich.

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