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3 Monate im Yellowstone-Nationalpark arbeiten: Deshalb war das eine magische Zeit

Yellowstone-Nationalpark: Wapiti-Hirschen auf Sinterterrassen bei Mammoth Hot Springs

1996 konnte ich für 3 Monate im Yellowstone-Nationalpark arbeiten, inmitten von Grizzly-Bären und Geysiren, Bisons und Bergen, Wapiti-Hirschen und Wasserfällen. Für mich war das eine absolut magische Zeit. Mit diesem Artikel erhältst du ein riesiges Geschenk: Den Bausatz für eine magische Zeit, die du jederzeit erleben kannst, auch ganz ohne Grizzlys und Geysiren.

Arbeiten im Yellowstone-Nationalpark

25. Juli 1996, sechs Uhr morgens. Nach einer nahezu schlaflosen Fahrt steige ich todmüde in Livingstone, Montana, aus dem Greyhound.

Ein Grüppchen Menschen hängt dort rum. Die meisten sind genauso müde wie ich. Einige schlafen. Wir alle warten auf den Shuttle-Bus, der uns in den Yellowstone-Nationalpark bringen soll, wo wir einige Monate arbeiten. Anderthalb Stunden später biegt er endlich um die Ecke.

Irgendwo hält der Shuttle bei einem alleinstehenden Gebäude. Gut gelaunte Menschen stellen uns allerlei Fragen, knipsen ein Porträt-Foto für den Personalausweis und messen meine Grösse für die Uniform.

Dann erfahre ich, wo im Nationalpark ich arbeiten werde: In Mammoth Hot Springs als Kitchen Help. Ein Angestellter sagt, da hätte ich Glück gehabt, Mammoth Hot Springs sei sein favorisierter Ort im Yellowstone. Ob er das allen sagt?

Nach einer gefühlten Ewigkeit fährt der Shuttle weiter nach Süden, überquert die Grenzen zum Nationalpark und bringt uns zur ersten Ortschaft: Mammoth Hot Springs. Dort gibt es eine Informationsveranstaltung, wichtige Hinweise zum Umgang mit den Wildtieren, von denen ich kaum etwas mitbekomme – zu müde bin ich.

Wapiti-Hirsche liegen auf Sinterterrassen bei Mammoth Hot Springs, Yellowstone-Nationalpark

Wapiti-Hirsche wärmen sich am frühen Morgen auf den Sinterterrassen bei Mammoth Hot Springs.

Mammoth Hot Springs von den Sinterterassen aus (2008)

Blick von den Sinterterrassen, mit Mammoth Hot Springs im Hintergrund (2008).

Der Shuttle-Bus fährt weiter, bringt die neuen Mitarbeitenden an ihre Arbeitsorte weiter im Süden. Doch ohne mich, ich bin bereits angekommen.

Ich schleppe mein Gepäck in jenes Zimmer im Juniper-Dorm, das mir zugewiesen worden war und das ich gemeinsam mit zwei anderen jungen Männern bewohne, einem Tschechen, der Cabins der Touristen putzt, und einem Franzosen, der am Grill (Fast Food) arbeitet.

Magische Zeit inmitten wilder Natur

Gleich am nächsten Tag gings los: Frühschicht als Tellerwäscher. Alles war neu, alles aufregend. Gemeinsam mit zwei- oder dreihundert jungen und älteren Menschen wohnte ich inmitten wilder Natur. Internet gab es damals noch nicht wirklich, stattdessen schritt ich gelegentlich hinüber zur Poststation.

In meiner Freizeit erkundete ich den Park, entweder zu Fuss oder per Autostopp. Andere Möglichkeiten: Fehlanzeige. Unweit entdeckte ich einen Wanderweg, der mich nach einem vielleicht 45-minütigen Marsch zu idyllischen Biberteichen führte. Oft sass ich dort, auf einem Felsbrocken, und beobachtete, ob irgendwo ein Grizzly- oder Schwarzbär auftauchte.

Yellowstone-Nationalpark: Beaver Ponds in der Nähe von Mammoth Hot Springs

Beaver Ponds in der Nähe von Mammoth Hot Springs.

Wandern fühlte sich aufregender an als in der Schweiz, denn es gab nebst Bären auch Pumas, Wölfe, Bisons, Elche, Kojoten und etliches mehr. Meistens sah ich aber eher Streifenhörnchen oder Wapiti-Hirsche.

Hach, ich könnte noch lange erzählen… Doch ich will bald zum Punkt kommen, oder besser: zur Magie. Ich füge einfach zwei Erfahrungsberichte hinzu, die du dir gerne anschauen kannst.

Was machte die Magie im Yellowstone aus?

In jugendlichem Alter zum ersten Mal für längere Zeit von zu Hause fort, befreit von den Fesseln der Schule, befreit von den elterlichen Fesseln, bedeutet Freiheit. Und das im Land der unbegrenzten Möglichkeiten, den USA: doppelte Freiheit.

Ich hatte keinerlei Erwartungen, wollte einfach spannende Erfahrungen machen.

Es gab unglaublich viel zu entdecken. Daumen raus, ab ins Auto und schon landete ich irgendwo, bei einem tiefen Wasserfall, einem versteinerten Baum, bei dampfenden Hotspots, spritzenden Geysiren. Oder ich machte mich zu Fuss auf in die Berge, stiess auf verstörte Wandersleute, die gerade von einem Schwarzbären überrascht worden waren, auf allerlei Wildtiere und noch mehr Ruhe. Zeit für mich, abseits des Touristenrummels unten im Dorf.

Umgeben von vielen anderen Yellowstonern war immer etwas los. Es entstanden neue Kontakte, spannende Gespräche, gemeinsame Ausflüge oder Tischtennispartien.

Selbst die Arbeit hielt immer neues bereit. Zuerst als Tellerwäscher, dann im Restaurant hinter dem Frühstücksbuffet und in der Küche beim Bereitstellen von Salats und Desserts und zum Schluss als Teamleiter dieser beiden Bereiche.

Yellowstone-Nationalpark: Küche im Restaurant von Mammoth Hot Springs

In der Küche des Restaurants in Mammoth Hot Springs bereitete ich Desserts und Salate zu (1996). Da ich auch das Morgenbuffet im Restaurant bediente, trug ich keine Küchenuniform, sondern die schickere Uniform des Servicepersonales.

Und dann war da dieses internationale Ambiente, das ich liebte.

Insgesamt: Freiheit, Vielfalt, wilde Natur, viel Neues.

Sind das die Bauteile einer magischen Zeit? Nicht ganz – du erfährst sie gleich.

Die Bauteile für eine magische Zeit

Welche Momente fühlen sich besonders magisch an? Die Kinder wissen es. Wenn wir Kinder beim Spielen beobachten, dann erleben wir pure Magie.

Im Artikel “Das Geheimnis hinter der Magie des Spielens (und des Lebens)” habe ich 9 Regler herauskristallisiert, die in Balance sein müssen, damit Magie entsteht. Erreichst du diese Balance, fühlt sich dein Leben voller Magie an – ohne in den Yellowstone reisen zu müssen. Lass mich die 9 Regler des Magie-Mischpults anhand meines Yellowstone-Abenteuers erklären.

Magie-Mischpult

Tun-Wollen-Balance

Ich habe mich aus freien Stücken für meinen Arbeitseinsatz im Yellowstone entschieden. Zwar war die Arbeit teilweise nicht so attraktiv, aber das Gesamtpaket stimmte. Ich arbeitete nicht für Geld, nicht um Karriere zu machen, nicht weil das besonders sinnvoll ist. Stattdessen wollte einfach eine spannende Lebenserfahrung machen. Ich tat, was ich tun wollte.

Ernst-Lockerheit-Balance

Die Vorgesetzten verlangten seriöse Arbeit von mir. Das war der Ernst.

Die Stimmung war aber locker, alle duzten einander, oft schäkerten wir, egal ob bei der Arbeit oder in der Freizeit. Wir versuchten so viele Tabletts mit Plastikbechern aufeinanderzutürmen wie möglich und diesen Turm vom Abwasch in die Kantine zu balancieren. Wir feuerten uns gegenseitig an und feierten, wenn der ganze Turm mit wildem Geschepper zu Boden fiel.

Die Lockerheit war da, denn wir spielten oft wie die Kinder.

Magie-Mischpult mit 9 Reglern

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Kognition-Gefühle-Balance

Ich nahm im Yellowstone über meine Sinne wahr. Kognitiv. Ich sah die wundervolle Natur, ich roch den Schwefel der heissen Quellen, hörte das Röhren der Hirsche.

Gleichzeitig verspürte ich viele Gefühle. Ich sog die Freiheit über meine Gefühle auf und war glücklich.

Die Kognition und die Gefühle waren in Balance.

Realität-Fantasie-Balance

Obwohl vieles im Yellowstone-Nationalpark fantastisch erscheint, war alles real. Die wilden Tiere, die geothermischen Objekte und gar der amerikanische Präsident, der in unserem Restaurant speiste.

Trotzdem regte die Umgebung die Fantasie an. Beim nächtlichen Spaziergang auf den Hügel stellte ich mir einen Puma vor, der mich vom nächsten Baum herab beobachtete. Am Ufer der Biber-Teiche sitzend, malte ich mir aus, wie ein Grizzlybär auftaucht, um am Wasser seinen Durst zu stillen. In der Küche stellte ich mir vor, wie Bill Clinton in die Küche kommt und einige Worte mit mir spricht.

Das Unbekannte aktiviert die Fantasie.

Yellowstone-Nationalpark: Hot Spots

Hot Spots im Yellowstone-Nationalpark.

Kontrolle-Vertrauen-Balance

Die Kontrolle war mit dem Vertrauen in Balance. Ich arbeitete kontrolliert, wusch Geschirr, bereitete Melonenschnitze für das Frühstück und Salatteller für das Abendessen vor. Ich wusste einigermassen, wo ich war, wenn ich in die Hügel ging, kontrollierte meine Schritte.

Gleichzeitig vertraute ich, dass ich dem gewachsen war, was ich in der Küche als Nächstes lernte. Ich vertraute, dass mich kein Grizzly zum Mittagessen vernaschte und vertraute, dass mich ein Auto zurückfuhr, wenn ich bis spätabends irgendwo im Park unterwegs war. Und ich vertraute, dass ich irgendwie wieder nach New York finden werde, von wo aus mein Rückflug startete.

Und das wichtigste: Ich vertraute ins Leben, vertraute darauf, dass ich in der Fremde eine gute Zeit verbringen würde.

Bewusstsein-Unterbewusstsein-Balance

Beim Spielen ist sowohl das Bewusstsein wie auch das Unterbewusstsein aktiviert. Genauso war es im Yellowstone.

Das Bewusstsein ist ohnehin immer aktiviert. Vielfach bleibt das Unterbewusstsein auf der Strecke.

Ich hörte damals stark auf meine innere Stimme. Nur schon, dass ich mich überhaupt auf den Weg in die USA gemacht habe – ich hätte den Grund nicht benennen können. Eine innere Stimme lud mich dazu ein.

Aber auch bei der Gestaltung hörte ich auf mein Unterbewusstsein. Was ich tat, fühlte sich richtig an. Bewusstsein und Unterbewusstsein arbeiteten Hand in Hand.

Yellowstone-Nationalpark: Blick von den südlichen Hügeln auf Mammoth Hot Springs

Blick von den südlichen Hügeln auf Mammoth Hot Springs.

Bekannt-Unbekannt-Balance

Genauso reichte das Bekannte dem Unbekannten die Hand. Fliegen war für mich bekannt, Greyhound-Fahren nicht. Teil eines strukturierten Arbeitsprozesses sein war bekannt, in einer Gastronomieküche arbeiten unbekannt. Wandern war bekannt, der Umgang mit Wildtieren unbekannt.

Anderes war zunächst unbekannt, wurde dann aber bekannt und liess dadurch wieder Raum für neues Unbekanntes. Tellerwaschen als einfache Tätigkeit war bald bekannt, dann kam das Frühstücksbuffet dazu, die Salate, Desserts und zuletzt die Führungsaufgabe.

Zuerst lernte ich Mammoth Hot Springs kennen, dann die nähere Umgebung und dann erweiterte ich meinen Aktionsradius immer mehr.

Stabilität-Flexibilität-Balance

Der Arbeitsplan gab mir einen festen Rahmen, verlieh meinem Aufenthalt Stabilität. Die freien Tage konnte ich flexibel, je nach Wetter und Bedürfnis gestalten.

Meine Vorgesetzten trugen mir Verantwortung auf, innerhalb derer ich flexibel auf die jeweilige Situation eingehen konnte.

Teilweise vereinbarten wir Wanderungen an bestimmten Orten. Ich musste kreativ einen Weg finden, wie ich ohne eigenes Auto und ohne ÖV dahin kam, das erforderte grosse Flexibilität.

Bisons im Yellowstone-Nationalpark

Bisons am frühen Morgen im Hayden Valley, Yellowstone-Nationalpark.

Sicherheit-Unsicherheit-Balance

Mein Yellowstone-Abenteuer gab mir Gelegenheit, die Sicherheit und Unsicherheit genau zu dosieren. Ich konnte so viel Unsicherheit zulassen, wie ich wollte. Unsicherheit ist wichtig, sie verleiht einem Spiel die Würze.

Das tat ich, indem ich mehr oder weniger Unbekanntes in mein Leben holte. Das Unbekannte führte zu Unsicherheit, das Bekannte zu Sicherheit.

Fühlte sich eine Tätigkeit in der Küche zu unsicher an, fragte ich jemanden. Kannte ich einen Prozess nicht, zum Beispiel wie ich postlagernd Post beziehen kann, liess ich mir helfen.

Kannte ich die nähere Umgebung, erhöhte ich die Unsicherheit, indem ich weiter in den Süden vorstiess oder mich auf einen bislang Wanderweg begab, den ich bislang noch nicht begangen hatte.

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Fazit: So ergibt sich Magie

Beim Spielen ergibt sich die Magie ganz von allein. Du brauchst nicht daran zu denken, die Unsicherheit oder die Lockerheit zu erhöhen.

Auch im Yellowstone war das so. Die Magie hat sich von allein ergeben.

Teilweise war das Glück. Glück, mit tollen Menschen arbeiten zu dürfen. Niemanden um mich zu haben, der mir meinen Aufenthalt im Yellowstone zur Hölle machte. Vorgesetzte zu haben, die mir vertrauten und mir immer dann mehr Verantwortung auftrugen, als sich Routine einschlich. All das hat zur Magie beigetragen.

Teilweise war es auch die unbeschwerte Haltung der Jugend, die mir half. Ich vertraute dem Leben, kümmerte mich wenig darum, ob ich scheitern könnte, plante kaum.

Meine Zeit im Yellowstone boten mir Freiheit, Vielfalt, wilde Natur, viel Neues. Doch auch anderswo erlebte ich Magie. Als ich das Buch “Spiel dein Leben – über die Leichtigkeit des Lebens” schrieb, war das genauso pure Magie. Und das in einer ganz anderen Umgebung, Zuhause vor dem Laptop sitzend.

Dank den neun Reglern des Magie-Mischpults kannst du dir ganz bewusst mehr Magie in dein Leben holen, indem du analysierst, welche Regler nicht in Balance sind und diese dann in die entsprechende Richtung verschiebst.

Hast du auch eine magische Zeit erlebt? Ich freue mich auf deinen Kommentar.

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Über mich

Nando Stöcklin

Nando erforschte 14 Jahre an einer Pädagogischen Hochschule die digitale Transformation – und kam zum Schluss: Die Zukunft gehört dem spielbasierten Lernen & Arbeiten. Heute lebt er das als Lernbegleiter und Gründer von «Spiel dein Leben».

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