Dein Ausweg aus der Konsumgesellschaft

 19. April 2018  
Nando Stöcklin
Minuten Lesezeit
 19. April 2018  
Nando Stöcklin

Wir Menschen sind verhaftet im Konsum. Billig soll es sein. Und bequem. Immer das Neueste. Wir finden das nicht so toll, machen aber doch mit. Welchen Ausweg aus der Konsumgesellschaft gibt es? Wir zeigen eine Möglichkeit, die verblüffend einfach ist.

Konsumgesellschaft

Wer kennt das nicht: Nach einem anstrengenden Tag gönnen wir uns ein Feierabendbier. Am Wochenende eine Party, eine Shopping-Tour, vielleicht gar einen Kurztripp nach Paris. Zwischendurch gibts etwas schönes von Zalando, Amazon & Co, ein neues Gadget, modische Klamotten, ein grösseres Auto. So halten wir uns über Wasser bis zum nächsten Urlaub. Endlich! Das Budget reicht gerade für einen Billigflug auf die Malediven.

Dein Ausweg aus der Konsumgesellschaft

Billig? Ja, billig soll es schon sein, sonst reicht es nicht für all unsere Träume. Deren Befriedigung wir wahrlich verdient haben, nach all der Schufterei und dem ganzen Stress! Deshalb gerne Billigflug, Billigessen, Billigkleider, Billigelektronik. Eigentlich finden wir Plastik ja nicht so toll, aber ein Plastiktraktor für den Junior liegt gerade noch drin. Die Holzdinger sind ja sündhaft teuer! Und ein leichter Plastikstuhl ist halt schon viel praktischer als so ein ultraschwerer Metall- oder Holzstuhl.

Ja, bequem sollte es auch sein, schliesslich ist der Alltag hart genug. Deshalb doch lieber Flugzeug statt Bahn. Lieber schnell mit Herbiziden Unkraut vernichten, als durch regelmässiges Mähen oder andere Methoden. Lieber abends gemütlich auf der Coach liegen und Serien schauen als Sport treiben. Lieber die Dinge so tun, wie andere sie auch tun, als sich die Mühe für eigene Gedanken zu machen, basierend auf eigener Recherche.

Weshalb konsumieren wir so viel?

Wegen der Werbung natürlich, keine Frage. Wir werden tagein, tagaus mit Werbung zugepflastert. Ausserdem gibt es coole Spezialangebote da, attraktive Rabatte dort. Da wären wir ja doof, wenn wir nicht zuschlagen würden!

Aber ist Werbung wirklich der alleinige Grund? Im Rahmen unseres Spiel-dein-Leben-Kongresses haben wir Interviews mit spannenden Menschen geführt. Viele davon leben ein spielerisches Leben. Sie orientieren sich an selbstgewählten Herausforderungen. Sie leben ihre Leidenschaften.

Auffällig waren ihre recht ähnlichen Aussagen. Zum Beispiel jene des Aufwachmediziners und Autors Stefan Hiene:

„Während du selbstbestimmt lebst, hast du schon Spass. Du brauchst dann nicht den Spass, indem du dir ein Schloss kaufst.“

Oder Zauberwilli, der Zauberkünstler. Geld ist für ihn nur so lange wichtig, bis er seinen bescheidenen Lebensunterhalt sichern kann.

Ganz ähnlich sprach Marco Eberle, ein weiterer Kunstschaffender. Er benötigt keinen Urlaub, seine Tätigkeit ist ihm Erholung genug.

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Christian Müller und Daniel Straub vom Institut Zukunft sind überzeugt, dass es viel mehr zur Zufriedenheit beiträgt, das eigene Leben, die eigene Erfüllung leben zu können, als noch mehr Wohlstand anzuhäufen in Form von Autos, Häusern oder kostspieligem Urlaub.

„Je näher ich mit meinem Tun an meine intrinsische Motivation herankomme, desto weniger habe ich materielle Bedürfnisse.“

Zuletzt führte ich ein Gespräch mit dem Neurobiologen Gerald Hüther. Er bringt den Zusammenhang des Konsumverhaltens von uns Menschen mit der extrinsischen Motivation auf den Punkt.

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Konsumsucht als Ersatzbefriedigung

Der bekannte Schweizer Kinderarzt Remo Largo hat kürzlich sein Lebenswerk "Das passende Leben: Was unsere Individualität ausmacht und wie wir sie leben können" veröffentlicht. Largo hat Kinder und Jugendliche in Langzeitstudien begleitet. Seine Erkenntnis:

„Jeder Mensch strebt danach, mit seinen individuellen Bedürfnissen und Begabungen in Übereinstimmung mit der Umwelt zu leben. Je besser ihm dies gelingt, desto größer sind sein Wohlbefinden, sein Selbstwertgefühl und seine Selbstwirksamkeit.“

Largo kristallisiert in seinem Buch sechs menschliche Grundbedürfnisse heraus: Leistung, existentielle Sicherheit, körperliche Integrität, Geborgenheit, Anerkennung bzw. sozialer Status sowie Selbstentfaltung.

Gelingt es uns nicht, unser Leben, unsere Einzigartigkeit zu leben, kompensieren wir häufig durch Konsum. Leben wir unsere Leidenschaften, spielen wir unser Leben, benötigen wir keine Ersatzbefriedigungen und es tritt genau das ein, was die oben erwähnten Experten des Spiel-dein-Leben-Kongresses betont haben: Unser Wunsch nach Konsum sinkt. Kurz: Leben wir unser Leben, sind wir glücklich, ansonsten konsumieren wir vermehrt.

Die US-amerikanischen Psychologen Richard Ryan und Edward Deci formulieren in ihrer wissenschaftlich breit abgestützten Selbstbestimmungstheorie drei menschlichen Grundbedürfnisse: dem Bedürfnis nach Kompetenz, nach Autonomie und nach sozialer Eingebundenheit. Auch sie sind überzeugt, dass Menschen intrinsisch handeln wollen. Menschen möchten aus innerem Antrieb aus etwas tun, und nicht, weil andere sie drängen oder zwingen. Ist das nicht möglich, weichen sie auf extrinsische Motivationsanreize aus, etwa auf Belohnungen.

Ausweg aus der Konsumgesellschaft

Konsum ist unsere Belohnung für nicht-ausgelebte Leidenschaften. Dein Ausweg aus der Konsumgesellschaft führt über deine Leidenschaften. Und deine Leidenschaften findest du in einer Aktivität, die für dich ein Spiel ist. Deshalb: Spiel dein Leben.


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Sehnst du dich nach der Leichtigkeit von damals, als du als Kind spielend das Viertel unsicher gemacht hast?

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